Beyond Transisi

Contemporary Indonesian Photography

1. Oktober bis 15. November 2015

 
Octa Christi

Foto: Octa Christi, »Trisya Berselina Awom, Doom Island«, aus der Serie »Seventeen«, 2014 © Octa Christi

Jay Subyakto

Foto: Jay Subyakto, »Ngaben«, aus der Serie »Life after Death«, 2008

Paul Kadarisman

Foto: Paul Kadarisman, aus der Serie »Wish You Were Here«, Jakarta, 2015 © Paul Kadarisman

Die Ausstellung »Beyond Transisi. Contemporary Indonesian Photography« stellt neun einflussreiche Fotokünstler vor, die heute in Indonesien arbeiten. Die zwischen 1960 und 1990 geborenen Fotografen präsentieren Schlüsselwerke, die vergangene und aktuelle Umstände ihres Landes dokumentieren. Sie alle haben prägende Momente der Transformation miterlebt: den Wachstumsboom Jakartas und ganz Indonesiens, das autoritäre Regierungssystem und seine demokratische Reformierung, die digitale Revolution sowie die verheerenden Folgen von Naturkatastrophen. Jedoch geht es bei der Ausstellung nicht nur um die journalistische Dokumentation von ortsspezifischen Situationen, sondern auch um den Ausdruck von Ansichten, die global relevant sind. Von der dokumentarischen Tradition bis hin zu surrealen Bildsprachen hat jeder Fotograf eine ganz eigene Herangehensweise an sein Sujet. Ihre visuellen Geschichten geben Einblick in Themen wie Jugend, urbanes Leben, Kolonialismus und die Beziehung von Mensch und Umwelt. Die Ausstellung reicht von Porträtfotografie über Landschaften bis hin zu Street Photography. Bilder werden projiziert, mit Video vermischt, als gerahmte Prints oder als Teil eines Buchprojektes gezeigt.

Zu den ausgestellten Künstlerinnen und Künstlern zählt Octa Christi mit ihrer Porträtserie von Jugendlichen im Übergangsalter von 17 Jahren aus Sorong City, Doom Island und Jakarta. In der behaglichen und familiären Umgebung ihres eigenen Schlafzimmers fotografierend, fängt die Künstlerin verschiedene Gefühle, changierend zwischen Streben, Ungewissheit und Glück in ihren Gesichtern ein.

Die sublimen Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Serie »JKT« von Fanny Octavianus dokumentieren Menschen und Orte des zeitgenössischen Jakarta und wurden vor kurzem in dem ersten Buch des Künstlers veröffentlicht. Die Details der Fotografien geben einen Einblick in das, was die Stadt ausmacht: Kult und Traditionen, Straßenleben und surreale Perspektiven aus Licht und Schatten.

Der multitalentierte Künstler, Fotograf und Bühnengestalter Jay Subyakto realisiert aus dokumentarischen und abstrakten Fotografien eine neue Installation, die seine Sicht auf indonesische Identität vermittelt. Durch die eng komponierten Ansichten, die das Schimmern von Wasser oder die hypnotisierende Intensität von Feuer darstellen, werden wir dazu aufgefordert, Indonesiens natürlicher Schönheit aus ikonographischer Sicht zu begegnen.

Der Fotograf Rony Zakaria ist mit Fotografien aus drei Serien in der Ausstellung vertreten: »Encounters«, »Man, Mountain and the Sea« und »The Sweet Sugar Island«. Die letztgenannte Serie ist eine umfangreiche Arbeit in Farbe, die einer traditionellen Zuckerrohrplantage in Yogyakarta gewidmet ist. Die anderen beiden Serien bestehen aus Schwarz-Weiß-Fotografien. »Encounters« ist eine Auswahl aus Zakarias erstem Buch und zeigt fotografische Momente seiner täglichen Ausflüge und Auslandsreisen. Für seine fortlaufende Serie »Man, Mountain and the Sea«, reist er durch Indonesien, um Landschaften, Traditionen, Arbeit und Leben zu dokumentieren, die sich um die Natur herum entwickelt haben. Zakarias Fotografien nehmen uns mit in Welten, bestehend aus komplexen Themen und Landschaften, die auch metaphorische Situationsporträts schaffen.

Muhammad Fadlis dokumentarische Farbfotografien offenbaren Landschaften, Details und Porträts von Alltagsereignissen oder zeremoniellen Aktivitäten des Banda-Archipels. Hier konzentriert sich der Fotograf auf Überreste der tiefgreifenden Kolonialgeschichte in Verbindung mit dem traditionellen Muskatanbau. Mit den Bildern des scheinbar idyllischen und friedlichen Lebens in ländlichen Gebieten Indonesiens geht der Fotograf seiner Neugierde gegenüber Abgelegenheit, Natur und Vergangenheit nach.

Kemal Jufri ist einer der meistveröffentlichten Fotografen aus Indonesien. Er gewann 2011 den World Press Photo Award für seine Fotografien vom Vulkanausbruch des Mount Merapi. Diese surrealen, jedoch tragisch-echten Bilder werden zusammen mit Jufris visueller Dokumentation der Expansion des Kohleabbaus gezeigt. Unter extremen, sogar lebensgefährlichen Bedingungen fängt Jufri seine Themen mit dynamischen und intensiven Kompositionen ein, die schockierende Beispiele der Verwüstung durch Mensch und Natur sind.

Das Thema des Bevölkerungswachstums und die unendliche Lärmverschmutzung, die dies mit sich bringt, thematisiert der Künstler Paul Kadarisman. Er stellt seine Bilder von verlassenen urbanen Landschaften Filmen gegenüber, die er gemeinsam mit der Künstlergruppe Mata-mata Project produziert hat. Zusammen dokumentieren sie das lärmende Gewimmel von Treffpunkten und Straßenkreuzungen, die eine Klanglandschaft der Stadt Jakarta erzeugen.

Neuere Beispiele indonesischer Künstlerbücher werden mit Arrangements aus dem Buch »Dot Pixel« des Fotografen Andi Ari Setiadi präsentiert. In farbenfrohen Makrofotografien von Verpackungsmaterialien wird uns durch das Themenfeld aller Produkte, die der Künstler kauft, isst und verbraucht, Setiadis Alltagsleben dargeboten.

Die ergreifende Serie »Soulscape Road« von Oscar Motuloh wird als Projektion und Soundinstallation in der Ausstellung »BEYOND TRANSISI« gezeigt. Diese preisgekrönte Serie aus über 90 Schwarz-Weiß-Fotografien zeigt das Aceh-Gebiet und die Folgen des Tsunamis im Jahr 2004. Nach über zehn Jahren dieser Verwüstung von Land und Leben ist Mutolohs monumentale fotografische Ballade ein andauerndes Andenken an die Trauer und Zerbrechlichkeit des Lebens. Seine charakteristischen Kompositionen werden verdichtet mit Informationen über die Zerstörung und lassen unseren Blick wandern durch und in das Herz dieses anderen Niemandslandes. Eine Überblicksausstellung indonesischer Fotografie wäre ohne diese Fotografien nicht komplett. Oscar Motuloh ist ebenfalls Direktor der Antara Gallery in Jakarta und leitet eine fotografische Akademie, in der viele der hier ausgestellten Fotografen ausgebildet wurden, gearbeitet und ihren Einstieg in die Welt der Fotografie gefunden haben.

»BEYOND TRANSISI« ist Teil des Kunst- und Kulturprogramms von Indonesien – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2015. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Oscar Motuloh und Gunawan Widjaja der Antara Gallery, Jakarta (Auswahlkomitee der Fotografie-Ausstellung) und wird unterstützt durch das indonesische Ministerium für Bildung und Kultur. Darüber hinaus wird das Fotografie Forum Frankfurt gefördert durch den Förderkreis Fotografie Forum Frankfurt e.V., die Stadt Frankfurt am Main und Olympus Deutschland GmbH.

Künstlerinnen und Künstler

Octa Christi, Muhammad Fadli, Kemal Jufri, Paul Kadarisman, Mata-mata Project, Oscar Motuloh, Fanny Octavianus, Andi Ari Setiadi, Jay Subyakto und Rony Zakaria

Publikation

Der Katalog zur Ausstellung ist im Fotografie Forum Frankfurt erhältlich (80 Seiten, ca. 200 farbige Abbildungen, Englisch, 15 EUR).


Begleitprogramm


Donnerstag, 1. Oktober, 18 Uhr
Künstlergespräch mit Kemal Jufri, Muhammad Fadli und Rony Zakaria mit Kuratorin Celina Lunsford, in englischer Sprache, Eintritt: 5 EUR / ermäßigt 2,50 EUR

Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr
Künstlergespräch mit Jay Subyakto im Gespräch mit Kuratorin Celina Lunsford, in englischer Sprache, Eintritt: 5 EUR / ermäßigt 2,50 EUR > Mehr Infos

Dienstag, 27. Oktober, 18 Uhr
Kuratorenführung mit Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des Fotografie Forum Frankfurt (Die Führung ist im Eintritt enthalten)

Eine öffentliche Führung wird jeden Mittwoch um 18 Uhr angeboten. Die Führung ist im Eintrittspreis enthalten. Auf Anfrage können Gruppenführungen auf Deutsch und Englisch gebucht werden.