Marco Anelli

“In Your Eyes – Portraits in
the Presence of Marina Abramović”

14. Juni bis 26. August 2012
Ausstellungsort: Großer Hirschgraben 17–19
Öffnungszeiten: Di–So 11–18 Uhr, Mo geschlossen

 
Marco Anelli
Marco Anelli

Fotos: Marco Anelli, 2010

Die Ausstellung In Your Eyes – Portraits in the Presence of Marina Abramović zeigt eine gewaltige Auswahl aus den 1545 Gesichtern, die Marco Anelli während der Performance „The Artist is Present“ von Marina Abramović fotografiert hat.

Die vom MoMA New York veranstaltete Retrospektive der Arbeiten von Abramović lief vom 6. März bis 31. Mai 2010. Marina Abramović saß für 75 Tage an sechs Tagen in der Woche in der Halle des Museums. Anelli arbeitete 716 Stunden lang und belichtete 3090 Augen.

Die Besucher hatten die Möglichkeit, sich Abramović für einen selbstbestimmten Zeitraum schweigend gegenüberzusetzen und ihr in die Augen zu schauen. Von einem sehr intensiven weißen Licht umgeben, war es der Künstlerin und dem jeweiligen Besucher nicht erlaubt, zu sprechen oder sich zu berühren. Ihre Blicke waren die einzig zugelassene Form der Interaktion. Der Besucher konnte frei entscheiden, wann er diese Situation verlässt. Manche blieben nur ein paar Minuten, andere saßen Abramović für bis zu sieben Stunden gegenüber. So trafen sich 3090 Augen über einen Tisch hinweg und stellten unmittelbare, intensive, tiefe und unerwartete Beziehungen her.

Genau diese kurze und intensiv berührende Schwingung zwischen Künstler und Besucher interessierte Anelli, der jeden einzelnen Beteiligten über die gesamte Dauer der Performance (716 Stunden) täglich portraitierte. Anellis Arbeit ist kein seelenloser Bericht, sondern stellt vielmehr die Aufgabe dar, den intensivsten Blick festzuhalten, um damit die Verfassung und Befindlichkeit des Besuchers, während er in die Augen von Marina Abramović schaute, sichtbar zu machen.

Zufällige Besucher wechseln sich in Anellis berührenden Portraits mit Berühmtheiten wie Lou Reed, Sharon Stone, Björk, Patti Smith und Isabella Rossellini ab.

Jeden Abend nach Schließung der Ausstellung edierte Anelli die über den Tag gemachten Fotografien und lud sie auf die Flickr-Profilseite des MoMA hoch. So erschuf er eine parallele Gemeinschaft, die das Fotografieprojekt täglich im Web dokumentierte. Die New York Times berichtete, dass am Ende des Projektes die Seite über 600.000 Besucher hatte.

Beim Betrachten dieses enormen Schachbretts aus Portraits befinden wir uns quasi vor einer Enzyklopädie der Empfindungen. Marina Abramović ist als bindende Kraft in jeder einzelnen Aufnahme anwesend, ohne je sichtbar zu sein.